Ich treffe Aleks Glitzeric, Bloggerin, im Café Lang beim Limmatplatz. Mit einem breiten Grinsen, winkend, und in unglaublich hohen Schuhen daherstöckelnd, sticht sie an diesem warmen Sommerabend schon von Weitem aus der grauen Menschenmenge hervor. Sie bestellt einen hausgemachten Eistee, ich einen Espresso.

Du nennst dich Frau Glitzeric, weil du auf Glitzer, Einhörner, Ponys, Rentiere und Hello Kitty stehst. Findest du etwas super, sagst du dazu „glitzerhaft“. Was hat denn Glitzer an sich, das dich so fasziniert?

Es ist die Bewegung der verschiedenen Farben, welche die ganze Zeit variieren. Glitzer ist nie langweilig, und in jedem Leben sollte es ein bisschen Glitzer geben. Glitzer macht einfach glücklich! Bei mir ging der Glitzertrip vor einem Jahr los: Nach einem Liebeskummer der Kollegin entstand daraus eine Glitzerfreundschaft. Und als sie traurig war, rettete Glitzer ihre Stimmung. Aus Witz kamen dann noch die Namen mit der -ic Endung dazu.

Auf frauenblog.ch hast du über Stil geschrieben, und wie man seinen eigenen Stil findet. (Hier geht’s zum Artikel) Deine Antwort darauf war „Experimentieren“. Dein Motto: „Mehr Mut meine Lieben!“ Sagst du das den Leuten in deinem Umfeld tatsächlich? Und lebst du das auch selbst?
Meinen Kolleginnen sage ich das die ganze Zeit. Ich verbiete ihnen zum Beispiel, Leggins zu tragen. Sie setzen es nicht immer um, weil sie finden, dass dieser Stil eher zu mir passt, anstatt zu ihnen. Menschen sind so schnell eingeschnappt, ich muss da immer ein wenig vorsichtig sein.
Es gibt Momente, in denen ich Lust habe alle möglichen Dinge zu probieren. Man sollte seine Kleidung nicht zu sehr planen, sondern sich spontan anziehen. Die Kleider müssen zu mir «sprechen».

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?
Girlyhaft, detailverspielt , und immer mit etwas Glitzrigem dabei!

Was bedeutet es für dich, wenn jemand „chic“ angezogen ist? Jemand ist chic, wenn er oder sie nicht 0815 ist. Wenn das Outfit zur Person passt, sie authentisch wirkt und nicht verkleidet aussieht. Krampfhaft stylish wirken zu wollen und den Trends hinterher zu rennen ist nicht chic. Schweizer denken immer so praktisch! Aber es soll einem auch nicht unwohl ein. Da muss jeder seine eigene goldene Mitte finden. Mode muss nicht immer praktisch sein!

(Anmerkung meinerseits dazu: Ein gutes Beispiel dafür ist das Outfit, das sie zum Interview trägt: Während ich sie fotografiere, windet es ihren kurzen weissen Rock die ganze Zeit in die Höhe. Es entsteht eine Art Marylin-Monroe-Effekt, der sie aber wiederum total sympathisch und glamourös wirken lässt.)

Welches Kleidungsstück löst bei dir ein Gefühl aus, wenn du es trägst?

Allgemein Röcke oder Kleider lassen mich «mich selbst» sein. Die Kleider an diesem Tag, zu diesem Zeitpunkt müssen zu mir «sprechen», sie geben mir dann ein Gefühl von Selbstbewusstsein, und nach diesem Gefühl kleide ich mich jeweils.

Dein Lieblingskleidungsstück?
Meine Kleider sind wie meine Kinder, ich liebe sie alle! Ein Rock, den ich über alles liebe, ist ein grau-silbriger Rüschchen-Rock mit Fransen von Topshop aus Malta. Er war von 60 Euro auf 9 Euro heruntergesetzt, weil er total ausgefranst und eigentlich kaputt war. Aber das war genau das, was ich an dem Rock so liebte! Hochgeschnittene Kleidung, bei der man noch ein wenig den Bauch sieht, finde ich momentan ebenfalls super.

Du schreibst in deinem Blog auch oft darüber, was GAR NICHT geht. Warum ist dir das so wichtig den Leuten zu sagen, was sie NICHT anziehen sollen?

Damit sich die Leute vielleicht auch ein wenig schämen. Ich hoffe immer, dass sie sich dann mehr Mühe geben bei der Kleiderwahl, und es sich nicht immer so einfach machen.

Ein Tipp/Ein Accessoire, um ein Casual Outfit „chic“ aussehen zu lassen?
Eine auffällige Clutch, die am besten gross genug ist, um alles nötige reinzustopfen. Wenn man gerade keine Clutch zur Hand hat, nimmt man einfach eine normale Handtasche und steckt die Bendel oben rein: Voila!

Findest du die Zürcher chic, oder haben wir noch einen langen Weg vor uns?
Phuuu! Da gibt es noch so viel zu ändern, sonst würde es meinen Blog ja nicht geben! Die Inspirationen hole ich mir immer von der Strasse: Es gibt so viele eintönige, unauffällige, und ängstliche Leute. Denen würde ich am liebsten allen sagen «Nicht immer überlegen was die anderen denken, einfach anziehen!»

Frau Glitzeric, während sie mich fotografiert
Der hausgemachte Eistee aus dem Café Lang